MF113 ALOALO 2 Gendarmen, ca. 1920, komplett mit Fuss und Kopfteil, beidseitige astrologische Ornamente, massiv aus einer Holzbohle gearbeitet
Alle MADAGASSEN pflegen einen ausgeprägten Ahnenkult, dessen Ursprung in Indonesien und Papa Neuginea zu finden ist. Man sieht die Seele des Verstorbenen (Razana) noch als Teil der sozialen Gemeinschaft an, welche in verschiedenen Etappen eine Einigkeit mit dem Schöpfergott (Zanahary) eingeht. Dieser wiederum ist mit dem Universum verbunden. Man holt sich Schutz, Rat und Kraft von den Ahnen und fürchtet sich vor deren Zorn. Damit einhergehend gibt es, je nach Volksgruppe, unterschiedliche Begräbniskulturen. Die MAHAFALY errichten, im Vergleich zu den winzigen Holz- Wohnhäusern, großzügige Kastengräber aus Stein, welche je nach Ansehen des Verstorbenen prunkvoll gebaut werden. Die Grabanlagen befinden sich stets ausserhalb der Wohnorte. Ein Totenhaus in der Mitte, angefüllt mit seinem Hausrat, beherbergt den präparierten Verstorbenen in einem Baumsarg. Der Grabbau und die Bestattungszeremonie kann Monate dauern.
Die beauftragten Arbeiter werden beköstigt und die Schädel der dafür geschlachteten Zebus werden auf dem Grab verteilt. Die Grabmalereien verweisen auf den Alltag oder Wünsche und Träume des Toten. Ein wichtiger Bestandteil des Ritus sind die ALOALO Stelen, welche immer als Auftragswerk von zertifizierten Schnitzern angefertigt werden. Sie stellen im Oberteil wichtige Stationen aus dem Leben des Verstorbenen, seine Phantasien und Erlebnisse dar, oft auch das verehrte Zeburind. Als Trägerin des Lebens und Universums findet man im Unterteil meistens Frauen aber auch bedeutende Personen wie Schamanen, Stammesfürsten und Fabelwesen. Verbunden wird dieses künstlerische Universum mit astrologischen Symbolen wie Halbmonden, Sternen und Ornamenten. Die MAHAFALY lassen den Toten (im Gegensatz zu anderen Landesteilen) ruhen, seine Razana hält Kontakt mit dem irdischen Leben durch im Grab eingelassene Spiegel. So werden die Grabstätten der Mahafaly stets sich selbst überlassen und verfallen mit den Jahrzenten.
Nun kann man eventuell, mittels guter Kontakte nach einigen Opfergaben zur Besänftigung der Ahnen und mit Einverständnis der Familien funktionslose ALOALO erwerben. Manchmal werden die fertig geschnitzten Stelen auch nicht aufgestellt, weil sie nicht dem Anspruch der Familien genügen. Viele Stelen dienen dann als Türwächter oder zieren die Wohnumgebung der Besitzer. Die Gräber der südlichen Ethnien werden nach der Bestattung nicht gepflegt oder besucht. Meistens ist es den Familien sogar verboten die Grabanlagen zu passieren oder gar zu berühren. Somit vermeidet man auch den Kontakt mit den Totengeistern LOLO, welche in der Nähe der Gräber weilen. Damit man den Tod nicht in das Dorf holt werden die Grabanlagen immer ausserhalb errichtet. Nach einigen Generationen zerfallen die von der Witterung zerfressenen Stelen und man schichtet diese am Grabrand auf. Der bedeutende Kopfteil wird auch oft entfernt und getrennt aufbewahrt. Seitdem Europäer diese Kunstobjekte als Sammlerstücken entdeckt haben werden von den Familienmitgliedern auch AloAlo verkauft. Dies geschieht meistens über eine Person des Vertrauens in den größeren Städten oder durch eine Reise in die Hauptstadt. Ein Grabraub ist jedoch (bei Verfolgung bis zum Tode) für alle Madagassen tabu ! Die hier angebotenen Kopfteile von Skulpturen sind alle den beschriebenen Weg gegangen und vom Familienclan verkauft. Interessant ist, daß die Madagassen überhaupt Veränderungen an den Stelen vornehmen, nach der Bestattung Teile abschneiden oder hinzufügen. Es kann passieren daß Familienmitglieder Fragmente entwenden um in den Spirit des Objektes zu kommen. Dies ist üblich und verankert in der Glaubenswelt der Madagassen. Manchmal werden Gesichter oder Körperteile entfernt, das figürliche Holzteil wird extra aufbewahrt aber sogar zermahlen und als Medizin verwendet und gegessen. Früher gab es Kannibalismus im Süden Madagaskars und (heute noch) geheime Sitzungen der Mumifizierung wo man Leichenteile verzehrt, Leichensaft gewinnt und als heiliges Medikament (fanafod gasy) verwendet. Dies dient alles dazu in Verbindung mit den Ahnen zu bleiben. Über die moralische und kulturelle Wertung dieses Handels kann man streiten, die Einen sprechen von Kulturraub wenn Objekte ausser Landes gelangen, die Sammler betonen den Erhalt der Objekte, denn in Madagaskar gibt es bisher keinerlei Bemühungen um Konservation und Erhalt und kein seriöses Museum über die eigene Geschichte. Diese alten Stelen sind nicht geweiht, obwohl zu dem Zwecke der Ahnenverehrung hergestellt und konnten, je nach kulturhistorischem Wert gekauft und bis 2018 begrenzt offiziell ausgeführt werden.
Die Skulpur hat über dem üblichen Steckfuss 3 ornamentale Musterfragmente mit den typischen astrologischen Zeichen wie Halbmond und Erde. Auf dem Kopfteil wachen 2 ,damals hoch angesehene, Vertreter der Kolonialmacht. Die Gendarmen verliehen der Grabanlage und damit dem Verstorbenen evtl. besonderen Schutz und gesellschaftliche Anerkennung.
oxidiertes, braunes Hartholz mit starken Verwitterungsspuren, Wind- und Regenabschliff, Beschädigungen durch alten Insektenfrass (jetzt wurmfrei), Flechtenbewuchs auch als Altersindikator, 177 x 15 x 10 cm,4,5 kg, Fundort Region Tulear, Ampanihy
Die Ausfuhr von Kulturgut / Antiquitäten ist in Madagaskar streng limitiert. Unsere alten Originale sind teilweise schon seit 1975 im Familienbesitz und stellen durch den steigenden Sammlerwert auch eine fruchtbare Investition dar.